Studieren ohne Matura in der Schweiz: Wege zum Studium für Erwachsene

In der Schweiz braucht es 2026 nicht zwingend die Matura, um ein Studium zu beginnen. Ob Passerellen, Berufsprüfung oder sur Dossier – zahlreiche Wege stehen Erwachsenen offen, sich ihren Traum vom Hochschulabschluss auch ohne klassischen Maturitätsabschluss zu erfüllen. Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten!

Studieren ohne Matura in der Schweiz: Wege zum Studium für Erwachsene

Ein Studienwunsch entsteht bei vielen nicht mit 18, sondern mitten im Berufsleben: weil sich ein Fachgebiet verändert, weil neue Aufgaben reizen oder weil ein Abschluss für eine spätere Spezialisierung nötig wird. In der Schweiz ist der Zugang zur Hochschule zwar geregelt, aber nicht auf den klassischen Weg über die Matura beschränkt. Entscheidend ist, welche Hochschule (Universität, ETH, Fachhochschule oder Pädagogische Hochschule) Sie anstreben und welche formalen Nachweise oder äquivalenten Kompetenzen Sie mitbringen.

Passerellen- und Ergänzungsprüfungen in der Schweiz

Passerellen- und Ergänzungsprüfungen sind strukturierte Wege, um Lücken zwischen einem beruflichen Abschluss und den Zulassungsvoraussetzungen einer Hochschule zu schliessen. Am bekanntesten ist die Passerelle zwischen Berufsmaturität und universitärem Studium: Wer bereits eine Berufsmaturität hat, kann mit der Passerellenprüfung die allgemeine Hochschulreife für Universitäten und ETH nachweisen. Für Erwachsene ohne Matura können je nach Ausgangslage auch Ergänzungsprüfungen, Aufnahmeprüfungen oder eine kantonal anerkannte Maturität für Erwachsene relevant sein. Wichtig ist dabei die Anerkennung: Prüfen Sie immer, für welche Hochschultypen und Studienrichtungen ein bestimmter Abschluss oder eine Prüfung tatsächlich gilt.

Studium sur Dossier: Chancen für berufserfahrene Erwachsene

Ein Studium sur Dossier (Zulassung «auf Dossier») bedeutet, dass eine Hochschule die Eignung aufgrund des Gesamtprofils beurteilt, nicht nur anhand eines einzelnen formalen Abschlusses. Häufig spielt dieses Verfahren bei Fachhochschulen eine Rolle, weil dort Praxisnähe und Berufserfahrung stark gewichtet werden. Typische Elemente eines Dossiers sind Nachweise zur Berufspraxis, Weiterbildungen (z. B. eidgenössische Fachausweise, Diplome HF), Motivationsschreiben, Arbeitsproben oder Eignungsabklärungen. Die Chancen steigen, wenn der bisherige Werdegang fachlich zum gewünschten Studium passt und Kompetenzen bereits über mehrere Jahre angewendet wurden. Gleichzeitig bleibt es ein Einzelfallentscheid: Umfang, Kriterien und Grenzen unterscheiden sich zwischen Institutionen und Studiengängen.

Vorbereitungskurse und Bildungsberater im Überblick

Wer den Einstieg ohne Matura plant, profitiert oft von zwei Bausteinen: gezielter Vorbereitung und neutraler Beratung. Vorbereitungskurse können Wissenslücken in Mathematik, Sprachen oder wissenschaftlichem Arbeiten schliessen und helfen, Lernroutinen wieder aufzubauen. Ebenso wichtig ist die Wahl des passenden Formats: berufsbegleitend, modular oder im Vollzeitmodell. Bildungsberaterinnen und Bildungsberater (z. B. in kantonalen Laufbahnzentren oder bei Hochschul-Studienberatungen) unterstützen dabei, die eigene Vorbildung korrekt einzuordnen, Zulassungsordnungen zu lesen und realistische Etappen zu planen. Besonders hilfreich ist eine Beratung, wenn mehrere Wege möglich sind (z. B. zuerst ein Abschluss auf Sekundarstufe II, danach Passerelle, oder direkt ein sur-dossier-Verfahren an einer Fachhochschule).

Finanzierungsmöglichkeiten für das Studium ohne Matura 2026

Die Finanzierung ist in der Praxis oft die grösste Hürde, gerade wenn Familie, Miete und laufende Verpflichtungen dazukommen. Für 2026 lohnt sich eine frühzeitige Planung mit einem realistischen Budget: Semestergebühren, Lernmittel, Prüfungsgebühren, Software, Mobilität sowie allenfalls reduzierte Erwerbsarbeit. In der Schweiz sind kantonale Stipendien und Darlehen eine zentrale Option, allerdings mit kantonal unterschiedlichen Regeln und Fristen. Zusätzlich gibt es je nach Situation Beiträge von Stiftungen, Unterstützungsfonds einzelner Institutionen, oder eine (teilweise) Kostenbeteiligung durch Arbeitgebende, wenn das Studium mit der beruflichen Entwicklung zusammenhängt. Praktisch relevant ist auch das Studienmodell: Teilzeit- oder Fernstudien reduzieren nicht zwingend die Gesamtkosten, können aber die monatliche Belastung senken, weil Erwerbsarbeit möglich bleibt.

Ein Blick auf typische Beträge hilft beim Einordnen: In der Schweiz sind Semestergebühren an staatlichen Hochschulen im internationalen Vergleich oft moderat, während Vorbereitungskurse, private Bildungsangebote und indirekte Kosten (Zeit, Pensumsreduktion, Kinderbetreuung) das Gesamtbudget stärker prägen. Die konkreten Ansätze unterscheiden sich je nach Hochschule, Status (z. B. Wohnsitz, Nationalität) und Studienform; zusätzlich können sich Gebühren von Jahr zu Jahr ändern.


Product/Service Provider Cost Estimation
Semestergebühr (Bachelor/Master) ETH Zürich rund CHF 730 pro Semester zzgl. Beiträge
Semestergebühr (Bachelor/Master) Universität Zürich grob CHF 700–800 pro Semester (je nach Beiträgen/Status)
Semestergebühr (Bachelor/Master) Universität Bern grob CHF 700–900 pro Semester (je nach Beiträgen/Status)
Semestergebühr (Bachelor/Master) ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften grob CHF 700–800 pro Semester (je nach Status)
Semestergebühr (Bachelor/Master) FHNW Fachhochschule Nordwestschweiz grob CHF 700–800 pro Semester (je nach Status)

Die in diesem Artikel genannten Preise, Tarife oder Kostenschätzungen basieren auf den zuletzt verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Vor finanziellen Entscheidungen wird eine unabhängige Recherche empfohlen.

Beispiele inspirierender Bildungswege aus allen Landesteilen

Erwachsenenwege ins Studium sind selten linear, aber oft gut planbar. In der Deutschschweiz wählen viele den Weg über berufliche Abschlüsse und anschliessende Brückenangebote: etwa eine höhere Fachschule oder eine berufsbegleitende Weiterbildung, danach ein sur-dossier-Einstieg an einer Fachhochschule. In der Romandie ist die Idee der Validation des acquis (Anerkennung von Erfahrung) stärker präsent, was in einzelnen Kontexten den Fokus auf nachweisbare Kompetenzen legt. Im Tessin wiederum spielen sprachliche Vorbereitung und die Abstimmung zwischen Arbeitsalltag und Studium häufig eine zentrale Rolle. Gemeinsam ist diesen Wegen: Ein klares Zielprofil (Studienrichtung und Hochschultyp), frühzeitige Abklärung der Zulassung und ein Lernplan, der zur Lebensrealität passt. Wer Etappen definiert (z. B. zuerst Grundlagen auffrischen, dann Zulassungsweg sichern, dann Studienstart), reduziert das Risiko teurer Umwege.

Am Ende ist «ohne Matura» kein einheitlicher Status, sondern eine Ausgangslage mit mehreren Zugängen. Passerellen- und Ergänzungsprüfungen, sur-dossier-Verfahren, Vorbereitungskurse, Beratung und eine solide Finanzplanung greifen ineinander. Wer die formalen Anforderungen sauber prüft, die eigene Erfahrung gut dokumentiert und das Budget realistisch aufstellt, kann in der Schweiz auch als Erwachsene oder Erwachsener einen tragfähigen Weg ins Studium finden.